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Abschied von Rollen


Autor:

Datum: Dienstag November 12, 2013

Kategorie: Beiträge

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„Du bist doch in deinem Job so taff, da wirst Du das mit dem 3.Kind auch schon hinbekommen.“

„Mensch, freu Dich doch, wenn Du so viel Vertrauen ausstrahlst, dass sich alle bei Dir ausheulen…“

Um nicht Gefangener in Rollen zu sein, und nur in dieser von anderen wahrgenommen zu werden ist es hilfreich, ein Blick hinter die persönliche Fassade zu werfen.

„Will ich immer nur der Starke sein?“

„Wer hört mir mal zu, wenn ich Sorgen habe?“

Es gibt Gründe, warum verschiedene Seiten in uns so im Vordergrund stehen und vom Umfeld bevorzugt abgerufen werden. Einst wird es wohl so gewesen sein, dass wir uns mit diesen herausgestellten Eigenschaften, z.B. des „Starken“ oder der „Mitfühlenden“ besser gefühlt haben, integriert – überhaupt wahrgenommen. Daher haben wir sie gepflegt und sie zu unserem Hauptantrieb gemacht.

Entscheidend ist das Maß ihres Einsatzes. Irgendwann fühlen wir uns nicht mehr in unserer Ganzheit wahrgenommen. Das, was wir uns selbst auf die Fahne geschrieben haben, haben andere in ihrer Meinung über uns ebenso getan. Es kommt der Punkt,  an dem wird uns unser selbst eingerichtetes Korsett zu eng – mag es noch so beliebt oder anerkannt sein. Der Preis unseres Einsatzes in Verleugnung all der anderen Seiten, die wir auch in uns tragen und die auch gelebt werden wollen, wird zu hoch. Es wird anstrengend dem aufgebauten und vermutlich schon gewohnten Bild der Anderen über uns zu entsprechend – und so ganz sieht man es eben auch nicht mehr ein: Nur die anderen zu bedienen und selbst zurück zu stecken, auch wenn es in guter Absicht geschieht. An dieser Stelle ist aus einer Eigenschaft, eine Funktion geworden, die eine Rolle bedient. Eingebettet in das soziale berufliche oder private Umfeld, führt es zu Konflikten, sich aus dieser Rolle befreien zu wollen.

„Was ist denn mit Dir los? Du hast doch immer alles selber machen wollen…“

„Stell Dich nicht so an – im Grunde macht es Dir doch Freude für Andere da zu sein…“

Der 1. Schritt des Abschieds aus Rollen ist daher nicht der wilde Befreiungsschlag, sondern die persönliche Klarheit darüber. Sich selbst erkennen bedeutet, seinen Gedanken über andere zu lauschen und sich selbst in ihnen zu sehen.

„Die haben gut reden, abgeben ist leichter, als Verantwortung tragen…“
bedeutet in der Selbstaussage:
„Ich würde auch sehr gerne mal was abgeben… mir ist es schon lange zu viel.“

„Eigentlich weiß niemand, wie es mir wirklich geht. Interessiert auch jemand für mich?“
bedeutet in der Selbstaussage:
„Mir fehlt ein Mensch (oder Menschen) des Vertrauens, denen ich mich öffnen kann. Ich würde so gerne mal von mir erzählen.“

Warum der eine schlecht „abgeben“ und die andere sich anderen nicht „anvertraut“ – dafür gibt es wieder Gründe, die in der Geschichte des Einzelnen zu finden sind.
Wichtig ist der Umgang mit den Empfindungen mit denen diese Selbsterkenntnis einhergeht. Stark oder mitfühlend zu sein, verbucht deutlich mehr Bonuspunkte als schwach oder abgrenzend zu sein.

Sich selbst zu erkennen bedeutet, sich selbst in anderen zu sehen. Das schafft Mitgefühl statt Urteile.
Urteile sind Hinweise für Erkenntnislücken. Eine Meinung zu haben, hilft stattdessen sich zu verständigen.
Hier geht es nicht um die Meinung über andere, sondern sich über sich selbst eine ehrliche Meinung zu bilden:

„Es fällt mir schwer abzugeben – ich glaube einfach, dass ich es machen muss, damit es funktioniert.“

„Wenn ich Nein sage, dann vergraule ich mir die Kontakte, nachher mag mich überhaupt keiner mehr.“

Statt der beliebten Eigenschaft, die einen in die Enge der Rolle gezwängt hat, bringt das Eingeständnis der bislang unterdrückten Empfindungen die Weite zurück. Viele Menschen atmen erst dann richtig auf, wenn sie sich dahingehend „Luft und Raum verschafft“ haben. Dann fällt ihnen der sprichwörtliche „Stein vom Herzen“.

An dieser Stelle hat die Rolle keine wirkliche „Macht“ mehr, denn sie ist durchschaut: in ihren Vorzügen, aber auch in ihrem Tribut, den sie fordert.

Erst jetzt können auch die Meinungen anderer aufgenommen werden ohne sie als Zurechtweisung zu empfinden. Erst jetzt werden die Meinungen anderer zum Potenzial für persönliches Wachstum und Wohlbefinden:

„Aus der Perspektive haben ich es noch nie gesehen – danke!“

„Wenn ich vorher gewusst hätte, wie gut das tut… klasse.“

Urteile über uns und andere lassen uns erstarren, weshalb sie auch „gefällt“ werden, während uns ein Meinungsabgleich beweglich und dynamisch hält.

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